Dänen schreiben keine Klassenarbeiten

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Julia Helgermann hat für ein Jahr die Fritz-Winter-Gesamtschule verlassen. Nach einem Vorbereitungsseminars der Organisation „Youth for Understanding“ und einem Sprachkurs auf der Insel Fünen geht die Elftklässlerin seit August in Ribe, etwa 50 Kilometer nördlich der Grenze zu Deutschland, auf eine dänische Schule. Ihre ersten Monate fasst sie hier zusammen:

„Hej, jeg hedder Julia, jeg kommer fra Tyskland og jeg er siden 5 måneder udvekslingsstudent i Danmark. Das war dänisch und bedeutet: „Hallo ich heiße Julia, komme aus Deutschland und bin seit 5 Monaten Austauschschülerin in Dänemark“.

Als ich Ende Juni endlich meine Gastfamilie und damit meine neue, dänische Adresse mitgeteilt bekam, war mein Auslandsjahr noch in weiter Ferne, doch die Zeit verging so schnell. Am 30. Juli hieß es Abschied nehmen, für ein Jahr lang weg von zuhause zu sein, eine andere Sprache zu lernen und in eine neue Kultur einzutauchen. Alles war total aufregend und wurde plötzlich so real.

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Am 6. August war es dann soweit. Nach einer ausgiebigen Vorbereitungswoche war der Zeitpunkt gekommen, wo wir alle von unseren Gastfamilien abgeholt wurden. Wir waren sehr nervös, weil wir uns alle in einer Turnhalle versammelt hatten, wo sich jeder Austauschschüler auf Dänisch bei allen Gasteltern vorstellen musste. Gleichzeitig wurde dieser besondere Moment vom dänischen Fernsehen gefilmt und später im Lokalfernsehen gezeigt.

Nach dieser turbulenten Vorstellungsrunde habe ich dann endlich meine Gastfamilie kennengelernt. Alle zusammen waren sie gekommen um mich abzuholen. Meine Gastmama Marianne, mein Gastpapa Ole, meine Gastschwester Anne-Sofie und mein kleiner Gastbruder Sören.

In meiner neuen Heimat Braendstrup leben ganze 140 Menschen. Nach einer Hausführung und einer Besichtigung unseres Kuhstalles durfte ich mich in meinem Zimmer einrichten. Ich habe mich von Anfang an ziemlich wohl gefühlt und war heilfroh, dass meine Gastfamilie deutsch konnte und das auch die ersten Wochen mit mir gesprochen hat. Mein Leben in Dänemark hatte allerdings auch eine kleine Umstellung parat: Ich wohne nämlich auch mit 20 Kühen, 4 Pferden, 4 großen Berner-Senn-Hunden und 6 Katzen zusammen! Es war ein unbeschreibliches Gefühl, denn ein kleiner Traum ging für mich in Erfüllung. Schon immer habe ich mir gewünscht, mit so vielen Tieren unter einem Dach auf einem Bauernhof zu wohnen und jetzt hatte ich für ein Jahr das Glück, dies erleben zu dürfen.

Meine Schule liegt ca. 20 km von meinem Zuhause entfernt und ich werde diese Strecke das ganze Jahr mit dem Bus fahren. Ich bin in die 1b der Ribe Katedralskole gekommen. Hier in Dänemark hat man nämlich neun Jahre Grundschule. Danach kann man entscheiden, ob man eine Ausbildung machen möchte oder, so wie ich, eine gymnasiale Oberstufe besuchen möchte. Die Leute aus meiner Klasse kannten sich zum größten Teil auch noch nicht, was mir den Start erleichterte. Zu diesem Zeitpunkt war mein Dänisch noch nicht so gut und ich war froh, als mich in einer Pause zwei Mädchen ansprachen und Kontakt zu mir suchten.

Am Anfang war es wirklich schwer, mit der Sprache, aber jetzt verstehe ich fast alles. Auch mit den Menschen aus meiner Klasse verstehe ich mich super. Nach einer Woche wurde ich schon zur ersten Party eingeladen und alle verstehen sich richtig gut, weshalb der Unterricht sehr entspannend ist. Die dänische Schule ist komplett anders als in Deutschland. Man arbeitet hier viel mehr mit Computern, also eigentlich mit gar nichts anderem und es gibt auch keine Schulaufgaben. Nur sogenannte Afleveringer (wortwörtlich übersetzt: Ablieferungen), die man in bestimmten Fächern abgeben muss. Das sind Aufgaben, ähnlich wie Hausaufgaben, nur ein bisschen umfangreicher. Man macht sie zu Hause und muss sie dann zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeben, worauf sie benotet werden. Sogenannte Klassenarbeiten, wie in Deutschland gibt es nicht in Dänemark. Zweimal im Jahr (einmal nach Weihnachten und einmal vor den Sommerferien) werden sogenannte Examen geschrieben. Allerdings kann man dazu alle Notizen, die man sich zuvor gemacht hat, nutzen oder auch das Internet hinzuziehen.

Zweimal die Woche trainiere ich in einem Schwimmverein in Rödding ( ca. 5km von Braendstrup). Mit fünf anderen Austauschschülern meiner Schule nehme ich außerdem an einem Sprachkurs in Bramming teil. Daher bin ich nun auch neben der Schule ziemlich beschäftigt.

Sonntags gehe ich mit meinen Gasteltern und unseren Hunden zum Hundetraining. Es ist super und ich habe meinen eigenen Hund mit dem ich trainieren darf. Meine Woche ist also ziemlich durchgeplant, allerdings findet sich immer noch Zeit auf Schulpartys zu gehen oder andere Unternehmungen durchzuführen.

Ich hoffe, dass mein Auslandsjahr so super weiter geht, wie es angefangen ist, das ich weitere Orte in Dänemark kennenlernen darf und weiterhin viel Kontakt mit dänischen Schülern aus meiner Schule habe.