Ein Tag zwischen Reiskorn und Flugzeugtriebwerk

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Zwei Drittel der Menschen in unserer Gesellschaft fühlen sich durch Lärm belästigt. Im schulischen Alltag sind Kinder und Jugendliche sowohl die Verursacher als auch die Opfer von Lärm – etwa wenn der Lautstärkepegel im Klassenraum wieder das konzentrierte Arbeiten erschwert. Anlass genug für die Fritz-Winter-Gesamtschule sich mit dem kompletten fünften Jahrgang am internationalen „Tag gegen Lärm“ zu beteiligen. Aufgerufen dazu hatte das vom NRW-Umweltministerium gegründete Aktionsbündnis „NRW wird leiser“.

Auf dem Flur und in den Klassen des fünften Jahrgangs ist dabei zunächst wenig vom Problem zu hören. An verschiedenen Stationen informieren sich die Schülerinnen und Schüler über Physikalisches wie Schallwellen und Schalldruck oder was die Einheit „Dezibel“ bedeutet.

Und mit dem Gehör scheint auch alles in Ordnung zu sein. Julia aus der Sport.Klasse! 5 kann noch aus über zwölf Metern ein Reiskorn hören, dass ihre Klassenkameradin Louisa auf einen Stuhl fallen lässt. Handfestere Daten sammeln derweil Jan, Cheyenne und Julian. Sie messen mit einem Phonometer, wie laut sie ihre Kopfhörer beim Musikhören für gewöhnlich stellen. Und der Spitzenwert von 84 Dezibel ist zwar nicht unmittelbar gesundheitsschädlich, kommt aber doch in Grenzbereiche. Bereits die Hälfte aller 20jährigen soll Einschränkungen im Hörvermögen haben.

Unterstützt werden die Fünferklassen bei ihrem Aktionstag gegen Lärm vom 11er-Kurs der Physiklehrerin Elena Kiselev. Die Oberstufenschülerinnen und -schüler hatten sich zuvor im eigenen Unterricht fachlich fit gemacht. Dazu gehört auch eine Lärmuntersuchung der Umgebung: Wie laut ist es an bestimmten Orten in der Schule, wie laut in den benachbarten Straßenzügen? Was ist lauter, ein LKW, der nah an mir vorbei fährt oder eine Schulklasse in einer Gruppenarbeitsphase? „Wichtig ist es, die Schülerinnen und Schüler für das Thema zu sensibilisieren und sie über die Entstehung und die Folgen von Lärm zu informieren“, erklärt Elena Kiselev.

Und so tauchen im Unterricht der anderen Klassen an diesem Tag immer wieder Schülergruppen mit einem Phonometer auf und messen Erstaunliches. Das müssen auch die Lehrkräfte akzeptieren. So sind etwa die – natürlich nur testweise erzeugten – 112 Dezibel eines Lehrers zwar für eine Kettensäge ganz ordentlich; sie sind aber nicht der Spitzenwert: „Ein Mädchen aus der 5 hat es auf 130 Dezibel gebracht“, wissen die Physikschüler von Elena Kiselev. Neben einem startenden Düsenflugzeug ist es auch nicht viel lauter.

Die gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen und für sich und andere zu einem leiseren Umfeld beizutragen wird angesichts dieses Lärmpotenzials vor und hinter dem Pult sicherlich eine Herausforderung für die Gesamtschule mit ihrem Anspruch als „gute und gesunde Schule“ werden. Ein erster Schritt ist aber gemacht und der Tag bleibt hoffentlich noch lange „im Ohr“.