Mehr Coach, weniger Alleswisser

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Um eine neue Kultur des Lernens ging es jetzt an der Fritz-Winter-Gesamtschule. „Nahezu zwei Drittel des Kollegiums hat an einer Fortbildung zum Lerncoach teilgenommen“, freut sich Schulleiter Alois Brinkkötter. Der Grundgedanke des Lerncoachings: Der Lehrer ist mehr begleitender Coach des Lernenden, nicht allwissender Experte, der bei Lernschwierigkeiten sofort Lösungen anbietet.

Ganz neu ist der Gedanke des Lerncoaching an der Fritz-Winter-Gesamtschule indes nicht. Als „Zukunftsschule NRW“ gibt es im Kollegium bereits zwei Lerncoaches, bestehende Angebote wie Lernberatung oder Begabtenförderung setzen auf das Konzept. „Mit der Fortbildung wird diese Idee nun weiter in das Kollegium, in das tägliche Handeln der Lehrerinnen und Lehrer hineingetragen“, erklärt Alois Brinkkötter. Denn: „Es kommt auf die innere Haltung an.“

Diesen Satz gaben auch die beiden Referenten Volker Biesel und Torsten Nicolaisen vom Beratungsbüro „Context“ aus Kiel den über 90 Gesamtschul-Lehrkräften mit auf den Weg, die sich in drei Tagesseminaren über das Lerncoaching-Konzept informierten.

Denn die innere Haltung sei es, die beim Selbstverständnis des Lehrers als Lerncoach den Unterschied ausmache. „Zu oft sind Lehrkräfte auf die Probleme ihrer Schüler fokussiert, haben sie schnell Lösungen oder pädagogische Tipps für sie zur Hand“, erläuterten Biesel und Nicolaisen. Zentraler Prunkt des Lerncoachings sei aber: Die Lösung liegt im Lernenden. Volker Biesel: „Ich gebe keine Lösungen vor. Ich will im Gespräch mit einem Schüler vor allem eines herausfinden: Wo sind deine Lösungsansätze.“ Wichtig sei beim Thema Lernprobleme sich nicht so sehr auf das bekannte und oft genug frustrierende Problem zu konzentrieren. „Gehen sie auf die Stärken ihrer Schüler ein und deren bereits vorhandenen Fähigkeiten mit Schwierigkeiten umzugehen“, gaben die beiden, deren Lerncoaching-Fortbildungen von Schulen in ganz Deutschland nachgefragt werden, den Gesamtschullehrern mit auf den Weg.

Damit dieser lösungsorientierte Ansatz auch zu Tage treten kann, stand bei der Fortbildung erst einmal Gesprächsführung im Mittelpunkt – und da vor allem das geduldige Zuhören. Dass dies im Schulalltag oft auf der Strecke bleibt, erfuhren die Lehrkräfte gleich bei einigen Praxisübungen, die auch das eigene Gesprächsverhalten reflektierten.

Als pädagogisches Rezept für alle Lagen sehen Volker Biesel und Torsten Nicolaisen das Lerncoaching dabei nicht: „Unser Rezept ist, dass wir kein Rezept haben.“ Wichtig sei, ob man eine Beziehung zu Schülern aufbauen könne, letztlich die innere Haltung, mit der man den Schülerinnen und Schülern gegenübertrete, nicht „irgendein Trick“ im Klassenzimmer.