Nähmaschinen rattern weit nach Schulschluss

FWGNähenhoch

Nach der regulären AG-Stunde geht’s jeden Mittwoch bei Annegret Lindemann noch weiter

An die 50 Jahre war er weg, jetzt ist er wieder da ‑ der Glockenrock. Klar, dass er auch in der Näh-AG der Fritz-Winter-Gesamtschule sein Comeback feiert. Und das sogar nach dem offiziellen Schulschluss, denn bei freischaffenden Modedesignerin und Künstlerin Annegret Lindemann rattern die Nähmaschinen und türmen sich die Stoffberge nicht nur am Mittwochnachmittag bei der AG im 7. Jahrgang. Auch weit nach 15 Uhr geht’s weiter um Schnittmuster und Stoffe – und eben den Glockenrock.

„Die Mädchen hatten im 7. Jahrgang in der regulären Näh-AG so viel Spaß, dass sie mich gefragt haben, ob wir nicht einfach weitermachen können“, erzählt Annegret Lindemann. Weil es aber im 8. Jahrgang durch die Ausweitung der Stundentafel – unter anderem wegen des Angebots einer zweiten Fremdsprache – keine AG-Stunden mehr gibt, musste ein anderer Termin gefunden werden. Und das außerhalb der Schulzeit. So betreut die agile Expertin für alle Fragen rund um Nadel, Faden und Design jeden Mittwoch direkt im Anschluss an die Näh-AG im 7. Jahrgang, auch eine Gruppe von bis zu zehn Mädchen aus den Jahrgängen fünf bis neun.

Und während Jolina, Mariam, Celine und Co. im 7. Jahrgang erst einmal mit Handytaschen oder Kuschelkissen lernen, was es bedeutet „rechts auf rechts“ zu legen oder wie der Faden in die Nähmaschine kommt und dort auch bleibt, wagen sich im Anschluss die Erfahreneren schon an anspruchsvollere Projekte. Aber auch in den vorherigen 7-er AGs fertigten schon einige Mädchen – und anfänglich auch Jungen ‑ Hose, Kleider, Röcke, Tops und Shirts.

FWGNähenquer

Der Sprachenraum im ersten Stock der Gesamtschule ist nicht wieder zu erkennen. Auf den Tischen stehen ein halbes Dutzend Nähmaschinen, kunterbunt dazwischen liegen Stoffe, Garnrollen oder Scheren. Neben dem Lehrerpult verheißt eine große Stoffkiste große Auswahl. Von der kleinen Probenbühne grüßt der Torso einer Schneiderpuppe – schick gemacht mit einem festlichen Abendkleid. Katharina und Pia aus der 8.2 haben es geschneidert. Bei welcher Gelegenheit sie es mal anziehen? „Keine Ahnung, das haben wir uns noch nicht überlegt“, lachen die beiden. Carina und Amelie aus der Klasse 8.4 arbeiten derweil an ihren Glockenröcken. „Das Schnittmuster haben wir selber konstruiert“, erklären die beiden und sind sich sicher, dass dabei nichts schiefgeht: „Frau Lindemann hilft uns natürlich dabei, die bringt uns alles bei, was wir wissen müssen.“ Das gilt auch für Tessa aus der 9.1, die gerade energisch modische Schlitze in das Rückenteil ihres T-Shirts schneidet. Vor einem großen Stück dünnem Papier sitzen dagegen Charlotte und Johanna. Sie zeichnen ganz konzentriert das Schnittmuster für einen Jackenärmel.

„Nähen ist wieder ganz stark im Kommen“, ist sich Annegret Lindemann beim Blick in die Runde sicher. Dabei entstehen in ihrer Näh-AG nicht nur Jeans, Röcke oder Taschen. „Der kreative Umgang mit Mode und Stoffen ist auch wichtig. Wenn die Mädchen mit Materialien wie Projektionsfolie oder Drahtgewebe arbeiten, geht es mehr in den künstlerischen Bereich.“ Soweit sind die Mädchen aber noch nicht ganz. An der Nähmaschine hinten links ist irgendetwas schiefgegangen: „Frau Lindemann, wir brauchen dringend Hilfe…!“