Präsidentenwahl aus erster Hand

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Wer wird nächster Präsident der USA? Am Tag vor dem Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump war an der Fritz-Winter-Gesamtschule ein ausgewiesener USA-Kenner zu Gast. Gerald Baars, ehemaliger ARD-Korrespondent in den USA und heute Leiter des WDR-Landesstudios Dortmund, hatte im vollbesetzten Forum der Schule natürlich noch keine Antwort auf diese knifflige Frage. „Prognosen haben bei den Präsidentenwahlen schon oft daneben gelegen. Deshalb mache ich auch keine mehr.“

Gerald Baars war auf Initiative der Volkshochschule Ahlen zu Gast an der Gesamtschule. Wegen des großen Interesses an Baar und seiner USA-Expertise bei den Schülerinnen der Oberstufe und aus der Klasse 10 hatte VHS-Leiter Rudolf Blauth neben einem Termin am Städtischen Gymnasium den Journalisten auch in die Gesamtschule gelotst.

Baars, in den 90er-Jahren einer der Mitbegründer des Hörfunksenders EinsLive, war von 2000 bis 2006 Leiter des ARD-Studios New York. In dieser Zeit hat er Hillary Clinton und Donald Trump persönlich kennengelernt und interviewt.

Während Clinton als Folge diverser Skandale rund um ihren Ehemann Bill, „eiskalt, kontrolliert und übervorsichtig“ wirke, sei Trump ein ganz anderer Typ. „Er hat mich weggefegt“, erinnerte sich Baars an ein Interview mit Trump, der immer im Rampenlicht stehen wolle, wenig vertrauenswürdig, ja sogar unberechenbar sei. Trump sei kein „Selfmademan“, er habe bereits vier Pleiten hinter sich, seine Triebfeder sei Geltungssucht. „Dies hätten die Amerikaner eigentlich wissen wüssen“, meinte Baars, denn als Star seiner Reality-Show „The Apprentice“ („Der Praktikant“) habe Trump sich nicht verstellt.

Warum Trump trotz Warnungen aus der eigenen republikanischen Partei, dennoch vielleicht gewählt würde, habe, so Baars, viel mit Protest, Unsicherheit und Angst zu tun. „Die Menschen fühlen sich durch die Globalisierung bedrängt, sie sind unsicher.“ Dies sei indes nicht nur ein amerikanisches Phänomen, auch in Europa sei solch eine Entwicklung zu beobachten, verwies Baar auf die Brexit-Abstimmung in Großbritannien oder AfD-Wahlerfolge in Deutschland.

An der Fritz-Winter-Gesamtschule rechneten die Schülerinnen und Schüler mit überwältigender Mehrheit am Tag vor der Wahl mit einem Sieg von Hillary Clinton. Dabei mag auch die Sorge vor dem unberechenbaren Donald Trump eine Rolle gespielt haben. Zumindest in einem konnte Gerald Baars die Schüler aber ein wenig beruhigen: „So leicht ist es auch für einen US-Präsidenten Donald Trump nicht, den Knopf für die Atomraketen zu drücken.“