„Psycho-Gefahr“ durch Erinnerungslücken

 

Fritz-Winter-Gesamtschule informierte zu KO-Tropfen

Der Termin konnte nicht besser liegen: Die Zehnerklassen der Fritz-Winter-Gesamtschule bereiten sich derzeit mit Mottotagen auf das baldige Schulzeitende vor. Und das ist zugleich „Partyzeit“ – damit leider auch die Zeit des nicht selten überhöhten Alkoholkonsums. „Darum haben wir die Präventionsveranstaltung ,Fieser Cocktail im Glas´ zu KO-Mitteln jetzt angesetzt“, sagt Silke Fischer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ahlen.

Um den unmittelbaren Zugang zu den Schülern zu bekommen wurde die Aktion am Dienstag nach Geschlechtern getrennt abgehalten. Die Gesamtschullehrer Karin Sander und Jan Mähr organisierten, Sandra Bothe vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz der Kreispolizeibehörde Warendorf kümmerte sich um die Jungen; Gabriele van Stephaudt von der Frauenberatungsstelle Beckum als Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt informierte die jungen Frauen.
Die rund dreistündige Veranstaltung sensibilisierte die Schüler für das partytypische Problem: „Es geht nicht nur um den Missbrauch. Auch Raub ist dabei nicht unüblich“, stellte die Polizistin Sandra Bothe zusätzlich juristische Hintergründe klar. Dazu erweiterte sie den Blick der Schülerinnen für die Gefahren, auch und vor allem durch die legale Droge Alkohol. „Das ist immer noch das am meisten verbreitete Mittel“, erklärte Bothe. Sie mahnte, im Partyverlauf auf ungewöhnliches Verhalten der Freundin zu achten. „Wenn sie sich nach wenig Alkohol bereits anders als sonst verhält, kann das ein Zeichen für etwas anderes als Alkohol sein“, führte die Beamtin aus. Schwierig sei der Nachweis von den sogenannten KO-Tropfen, da sich diese in oft weniger als zwölf Stunden abbauen können.
Mit den Folgen eines Übergriffs unter Alkohol oder den Tropfen befasste sich Gabriele van Stephaudt. „Gerade das Loch in der Erinnerung ist die psychische Gefahr“, machte die Beraterin deutlich. Wenn dann noch Bilder dazu auftauchen, ist es nur den wenigsten Betroffenen möglich, ohne Hilfe mit der Situation klarzukommen. Sie thematisierte auch die Schuldfrage und die Selbstzweifel und -Vorwürfe der Opfer solcher Übergriffe. Das stellte Gabriele van Stephaudt eindrucksvoll mit einer Geschichte von zwei missbrauchten Mädchen dar. „Zwar sind hier die Opfer fiktiv, dienen aber nichts desto weniger als gute Identifikationsobjekte“, hat die Fachfrau immer wieder erfahren.
Quelle: Peter Schniederjürgen, Ahlener Zeitung (Text und Bild).