Shoa-Überlebende Liesel Michel Binzer zieht 180 Schülerinnen und Schüler der Fritz-Winter-Gesamtschule in ihren Bann

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Im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ erhielten 180 Schülerinnen und Schüler des 7. bis 13. Jahrgangs der Fritz-Winter-Gesamtschule die exklusive Möglichkeit, mit der Shoa-Überlebenden Liesel Michel Binzer über ihre Kindheit im Konzentrationslager Theresienstadt, ihre Rückkehr ins Münsterland nach Kriegsende sowie ihr Leben in Deutschland bis in die heutige Zeit ins Gespräch zu kommen.

Nach einer kurzen freundlichen Begrüßung durch den Schulleiter Alois Brinkkötter führte Matthias M. Ester M. A. (Geschichts-Kontor Münster) durch die Veranstaltung. Anhand eines 45minütigen Interviews mit der Shoa-Überlebenden Liesel Michel-Binzer, wurde die Geschichte der im Münsterland lebenden Familie Michel zwischen 1926 und 1945 in groben Zügen dargestellt. Dabei wurden vor allem die einschneidenden Erlebnisse – der Umzug ins Judenhaus in Münster 1939, die Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt am 31. Juli 1942 und das Leben dort bis zur Befreiung durch die Rote Armee am 08. Mai 1945 sowie die Rückkehr ins Münsterland im Juli 1945 – hervorgehoben. Visuell wurden die emotionalisierenden Aussagen Liesel Michel-Binzers durch Familienfotos, Zeichnungen von Inhaftierten des Konzentrationslagers Theresienstadt sowie Aufnahmen der Alliierten während und nach der Befreiung. Während des Interviews herrschte im Forum der Fritz-Winter-Gesamtschule gespanntes Schweigen.

Im Anschluss entstand eine rege Diskussion zwischen den Schülerinnen und Schülern und Frau Michel Binzer. Ein Teil der Fragen bezog sich auf die persönlichen Erlebnisse zwischen 1933 und 1945, die Gefühle und Vorahnungen der Familie im Vorfeld der Deportation und den täglichen Überlebenskampf im Lager. Ein anderer Teil befasste sich mit dem Leben nach 1945, der Lebensqualität in den Nachkriegsjahren, aber auch ab 1949 in der BRD, Frau Michel Binzers Wünschen und Hoffnungen bezüglich einer Emigration nach Israel und ihrer Entscheidung für ein Leben in Deutschland, sowie ihren heutigen Erfahrungen mit kontinuierlich bestehendem Antisemitismus in Deutschland.

Viel zu schnell verstrich die kurze Zeit, sodass leider auch nach 45 Minuten nicht alle Fragen beantwortet werden konnten. Die Resonanz der Schülerinnen und Schüler, wie aber auch von Liesel Michel Binzer und Matthias M. Ester, war sehr positiv. Alle waren sich darin einig, dass Zeitzeugen ein großer Schatz sind und keine Möglichkeit versäumt werden sollte, sie in die Schule zu holen.